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| Der Ballflug |
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2) Der Ballflug nach Verlassen des Schlägers
Angenommen, der Golfball verlässt das Schlägerblatt ohne
Rückwärts-Spin, wie es z.B. bei einem Katapult der Fall ist, wäre seine Flugbahn
zwar gleichmäßig, jedoch relativ uninteressant. Wird zudem auch noch der Wind
vernachlässigt, beschreibt der Ball eine Bahn in der vertikalen Ebene. Er wird
weder zur rechten noch zur linken Seite abweichen und bei einer vergleichsweise
kurzen Flugweite zu Boden fallen. Aber ein geschlagener Golfball besitzt nur in
sehr wenigen Fällen keinen Spin und es ist die Rotation, die den Ballflug so
interessant, vielfältig und lebhaft macht. Egal ob es sich um Golfbälle,
Baseball-Bälle, Kricket-Bälle oder Tennis-Bälle handelt, die Bälle fliegen immer
ihrer "Nase" nach. Mit der "Nase" bezeichnet man den vordersten Punkt des
Balles. So ist in Abbildung 2, wenn sich der Ball mit dem
Mittelpunkt M auf einer horizontalen Ebene nach rechts bewegt der Punkt A die
"Nase". Bewegt er sich nach links, ist Punkt B die "Nase"; bewegt
er sich wie in Abbildung 3 auf einer geneigten Ebene zum Punkt P, ist A die
"Nase". Nun besitzt der Ball einen Rückwärtsdrall. Nimmt man jetzt an, er bewegt
sich horizontal nach rechts, wie in Abbildung 4 dargestellt, dann wandert die "Nase" (A) nach
oben und der Ball fliegt der "Nase" nach, auf einer gekrümmten Bahn (wie die
gestrichelte Linie darstellt). Rotiert die "Nase" aufgrund eines Vorwärts-Spins
nach unten, beschreibt der Ball eine entsprechende Flugbahn nach unten. Dreht
sich der Golfball nun um eine vertikale Achse, bewegt sich die "Nase" nach links
bzw. nach rechts und die Flugbahn ist wieder dementsprechend gekrümmt (Abbildung
5). Rotiert der Ball um eine Achse entlang der Flugrichtung, verläuft diese
durch die "Nase" des Balles. Dies verursacht jedoch keine Bewegung der "Nase",
folglich wird der Ball ungehindert weiterfliegen. Sehr gute Beispiele dafür
findet sich beim Baseball. Ein professioneller Pitcher kann den Ball sowohl nach
links oder rechts, als auch nach oben oder unten abdrehen lassen. Diesen Effekt
nutzt auch der Schlagmann, indem er dem Ball während des Treffpunkts eine
Rotation um eine vertikale oder meist horizontale Achse verleiht. Dies wird
erreicht, indem der Ball nicht im Zentrum, sondern darüber oder darunter
getroffen wird (Abbildung 6). Ähnliches ist beim Tennis zu beobachten. Der
Spieler nutzt den "Topspin", was bedeutet, dass der Ball um eine horizontale
Achse nach vorne rotiert, um auch einen hart geschlagenen Ball noch innerhalb
der Spielfeldbegrenzung landen zu lassen.  |
| 2.1)
Versuche zum Auftrieb
2.1.1) Versuch 1
Bevor ich mit der Erklärung dieses
Effekts fortfahre, werde ich ein Experiment darstellen, das den Sachverhalt, mit
dem wir uns gerade beschäftigen, veranschaulicht. Um die resultierenden Kräfte,
die auf den Ball wirken, im Experiment leichter untersuchen zu können, wird nur
die Luft bewegt und der Ball bleibt in Ruhe. Da nur die relative Geschwindigkeit
gegenüber der Luft ausschlaggebend ist, bleiben die Kräfte die Gleichen, egal ob
sich der Ball bewegt und die Luft still steht, oder umgekehrt. Dieses Experiment
wurde zum ersten Mal 1852 vom deutschen Physiker Heinrich Gustav Magnus
durchgeführt. Es soll zeigen, dass ein rotierender Körper, der sich durch die
Luft bewegt eine Kraft erfährt, dessen Richtung die gleiche ist, wie die, in
welche sich die "Nase" des Körpers bewegt. Die Richtung dieser Kraft ist sowohl
senkrecht zur der Richtung, in die sich der Mittelpunkt des Körpers bewegt, als
auch senkrecht zur Achse, um die der Körper rotiert. Um das zu zeigen, wird ein
Zylinder A (Abbildung 7) so mit zwei Kugellagern an einem Stab S befestigt, dass er schnell um eine
vertikale Achse rotieren kann. Dieser Stab S ist am Ende mit einem Gegengewicht
B aus-balanciert und an einer Schnur aufgehängt. Vor dem Zylinder ist ein Rohr
befestigt, durch das ein Ventilator V, der mit einem Elektromotor betrieben
wird, Luft bläst. Dieses Rohr wird auf dem Zylinder ausgerichtet, sodass der
Luftstrom den Zylinder gleichmäßig erfasst. Schaltet man den Ventilator V ein,
ist zu beobachten, dass der Luftstrom keinerlei Bewegung des Zylinders oder des
Stabes bewirkt. Versetzt man nun den Zylinder A in Rotation, sieht man, dass
sich der Stab ebenfalls in die gleiche Richtung dreht. Lässt man den Zylinder in
die entgegengesetzte Richtung rotieren, dreht sich auch der Stab andersherum
(Abbildung 8). Der Zylinder bewegt sich also wieder in die Richtung, in
welche die "Nase" rotiert (in diesem Fall ist die "Nase" der Punkt, der als
erstes vom Windstoß erfasst wird). Wird der Ventilator angehalten, bewegt sich
auch der Stab trotz Rotation des Zylinders nicht. Ist umgekehrt der Zylinder
nicht in Bewegung, übt der Ventilator allein auch keine Kraft auf den Stab
aus. Die Begründung dieser Beobachtung liegt darin, dass bei einem
rotierenden Körper, der sich durch die Luft bewegt, auf der einen Seite des
Körpers ein anderer Luftdruck herrscht, als auf der anderen. Der Druck der
beiden Seiten ist nicht im Ausgleich und deswegen wird der Körper von der Seite,
wo höherer Druck herrscht weggedrückt, bzw. zur anderen Seite hingezogen. Wenn
also ein Golfball mit Rückwärts-Spin durch die Luft fliegt, wie in Abbildung 9 gezeigt, ist der
Druck auf der Seite ABC höher als auf der Seite ADB. Ich werde nun ein
Experiment zeigen, dass diesen Sachverhalt beweist und darüber hinaus darlegt,
dass der Druckunterschied von der Oberflächenbeschaffenheit des Balles abhängig
ist. |
| Pitcher - Spieler beim Baseball, der dem Schlagmann den Ball
zuwirft |
| 2.1.2)
Versuch 2
 In dieser
Versuchsanordnung (Abbildung 10) sind zwei Bälle der gleichen Größe
untereinander an einer Achse montiert. Der eine besitzt eine glatte Oberfläche,
der andere, ein Golfball, weist die üblichen kleinen Einkerbungen an der
Oberfläche auf. Die Achse, und somit die beiden Bälle können mittels eines
Elektromotors zu schneller Rotation gebracht werden. Ein Luftstrom, der von
einem Ventilator V produziert wird, bläst durch ein Rohr, das auf die Bälle
gerichtet werden kann. Darüber hinaus kann die Achse nach oben bzw. unten bewegt
werden, um wahlweise den Ball mit der glatten Oberfläche, oder den Golfball in
den Luftstrom zu positionieren. Der Druck wird auf folgende Weise gemessen:
L und M sind zwei Röhrchen, die miteinander verbunden sind. Das
Zwischenstück dieser beiden Röhrchen ist mit einer Flüssigkeit gefüllt, um den
Druckunterschied an den Enden der Röhrchen am Stand der Flüssigkeit ablesen zu
können. L und M sind so gerichtet, dass jeweils ein Ball genau dazwischen Platz
findet. Wenn der Luftdruck bei M nun größer ist als bei L, steigt die
Flüssigkeit bei P, und sinkt bei Q. Für den anderen Fall gilt das Gegenteil.
Zuerst wird nur der Ventilator eingeschaltet, um zu zeigen, dass das keine
Änderung des Flüssigkeitsstandes bewirkt. Danach wird der Ventilator angehalten
und nur die Bälle zum Rotieren gebracht; wieder passiert nichts. Wenn aber nun
die Bälle in die abgebildete Richtung rotieren und der Ventilator eingeschaltet
wird, fällt die Flüssigkeit bei Q und steigt auf der anderen Seite. Ändert man
die Drehrichtung der Bälle, ändert sich auch der Flüssigkeitsstand
dementsprechend. Im ersten Fall ist der Druck bei M also anscheinend höher als
bei L. Dieser Luftstrom von rechts nach links entspricht einem realen Ballflug
von links nach rechts. Um nun den Unterschied der beiden Bälle zu zeigen, wird
jetzt der glatte Ball zwischen den beiden Röhrchen platziert. Man sieht, dass
der Druckunterschied beim glatten Ball weniger als halb so groß
ist.

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| 2.2)
Auswertung der Versuche
Im Folgenden werde ich nun
erläutern, warum der Druck auf den beiden Seiten des Balles unterschiedlich ist.
Den Hauptpunkt der Erklärung formulierte bereits Isaac Newton vor mehr als 300
Jahren. Er erkannte, dass sich ein rotierender Tennisball im Flug seltsam
verhält. Die erste Erklärung für eine seitliche Ablenkung eines rotierenden
Balles gaben Lord Rayleigh und Heinrich Gustav Magnus, nach welchem der
Magnus-Effekt benannt wurde. Man stelle sich nun einen Ball vor, der in einem
Luftstrom rückwärts rotiert (Abbildung 13). Die Luft wird auf der unteren Seite des Balles am Punkt Q
durch die Gegenbewegung des Balles abgebremst, d.h. die Luft strömt langsamer,
als wenn der Ball nicht rotieren würde. Betrachten wir die Luft vom Punkt P zum
Punkt Q, so besitzt sie im Punkt Q wegen der Abbremsung durch den rotierenden
Golfball in dessen unmittelbarer Umgebung eine niedrigere Geschwindigkeit als im
Punkt P. Es muss also ein Druck auf die Luft gewirkt haben, die sie abbremst,
ein Druck, der bei Q höher ist als bei P. Wenn man die andere Seite des Balles
betrachtet, Punkt R, sieht man, dass sich hier die Oberfläche des Balles in die
gleiche Richtung wie die Luft bewegt. Ist die Geschwindigkeit der Balloberfläche
größer als die der Luft, wird die Luftströmung beschleunigt. Bewegt sich die
Luft schneller als die Oberfläche, wird sie zwar abgebremst, behält aber im
Vergleich zu Unterseite des Balles eine höhere Geschwindigkeit. Im ersten Fall
fällt der Druck im Punkt R im Vergleich zu P, im letzteren erhöht er sich,
jedoch nicht so stark wie an der Unterseite (Q). Dieser Unterschied bewirkt eine
Kraft von unten nach oben, die den Ball ansteigen lässt. Er folgt seiner
"Nase".
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| 2.3)
Veranschaulichung anhand eines Beispiels
Ich möchte nun ein einfaches
Beispiel heranziehen, das diesen Sachverhalt anschaulicher darstellt. Angenommen
unser Golfball ist ein Ausflugsdampfer. Um die Rotation darzustellen, stellen
wir uns vor, die Passagiere machen ihren Morgenspaziergang auf dem Deck des
Schiffes. Sie gehen alle im Kreis und alle in dieselbe Richtung. Den Passagieren
auf der einen Seite bläst der Wind ins Gesicht, die auf der anderen Seite haben
Rückenwind. Wenn ihnen der Wind also ins Gesicht bläst, ist der Widerstand
größer, als wenn sie stehen würden, es wirkt also eine größere Kraft auf dieser
Seite des Schiffes. Bläst der Wind ihnen gegen den Rücken, ist der Druck nicht
so stark, als wenn sie stehen würden. Also vermindert das Rotieren hier den
Druck des Windes gegen die Passagiere, wobei es den Druck auf der anderen Seite
vergrößert. Dieser Fall ist analog zu dem des Golfballs. Wobei jedoch bei diesem
Beispiel der Widerstand der Körper und nicht der Luftdruckunterschied diese
Kräfte hervorruft. |
| 2.4)
Entscheidende Variablen
Dieser Druckunterschied der
beiden Seiten des Balles ist proportional zum Produkt aus Ballgeschwindigkeit
und Rotationsgeschwindigkeit. Da der Spin, der dem Ball durch das Loft des
Schlägerblattes verliehen wird, proportional zur Anfangsgeschwindigkeit des
Balles ist, ist der Druckunterschied zum Startpunkt des Balles proportional zum
Quadrat der Anfangsgeschwindigkeit. Der Druckunterschied der Durchschnittswerte
auf beiden Seiten muss nur 4% des Atmosphärendrucks betragen, um eine Kraft zu
produzieren, die größer als die Gewichtskraft des Balles ist. Bei einem guten
Golfschlag verlässt der Ball das Schlägerblatt mit einer ausreichend
hohen Geschwindigkeit, um größere Kräfte als diese zu produzieren. Diese
Rückwärtsrotation um die horizontale Achse wird Backspin genannt und bewirkt
eine Flugbahn, die die gestrichelte Linie A in Abbildung 14 beschreibt, im
Gegensatz zu B, die der Ball einnehmen würde, wenn er sich nicht drehen würde.
Diese nach oben wirkende Kraft beträgt oft das Vielfache der Gewichtskraft des
Balles.
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| Loft - Loft ist der Winkel, den das Schlägerblatt mit der
Horizontalen bildet (siehe Abbildung 48). |
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